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at
Paint Shop Berlin

Trutz Simplex

Opening
October 25, 2025
Vernissage
October 25, 2025
-
November 29, 2025
Opening hours / Öffnungszeiten

Fri & Sat 2 – 7 pm

Fr & Sa 14 – 19 Uhr

or by appointment / oder nach Vereinbarung

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Thomas Krüger
With Trutz Simplex, the sculptor and author Anna Herms presents her first solo exhibition at Paint Shop. Its starting point is the book Le Livre de la Cité des Dames (1405) by the French writer Christine de Pizan, written in response to the “Lamentationes Matheoli” by the cleric Matthaeus of Boulogne, in which he, like many of his learned contemporaries, spread misogynist views. In it, de Pizan conceives a symbolic city of women – its building material is not stone but the stories and myths of women from biblical, ancient and more recent history. At times she puts on the mask of the naïve, rendering male arguments against women with feigned seriousness, only to refute them in the next scene from the position of the self-assured author. De Pizan, writer and philosopher, born in Venice in 1364 and raised at the French royal court, is considered the first woman author able to live from her writing and the most widely read woman author of the European Middle Ages. Even so, her text was not translated into German and published until the 1980s. In Germany she is still regarded as an insider tip for “historians of feminism”.¹ In ceramic sculptures and a video work, women writers from seven centuries meet – from de Pizan to Karoline von Günderrode, Virginia Woolf, Irmtraud Morgner and Elfriede Jelinek to Virginie Despentes and many others.² Herms’ works in the exhibition are conceived as finds from a literary excavation in which partly buried positions become visible and tangible. In this interplay, themes of cultural heritage, theft and appropriation condense – together with the realisation that keeping women’s history and stories visible remains a shared task. At the centre is a sculpture reminiscent of the goddess Bastet from Egyptian mythology, goddess of fertility, joy, music and dance. The title Trutz Simplex refers to Grimmelshausen’s character Courasche, a counterpart to the same author’s Simplicissimus and a female perspective on the turmoil of the Thirty Years’ War. Herms takes her up as a symbolic figure of female self-empowerment – writing, speaking, surviving. By building her personal city of women, Herms adds a chapter of her own, an almost cheerful one, to the ongoing history of dismantling patriarchal structures – a space in which past and present women writers meet. ¹ Katharina Teutsch, review of a new German edition of works by Christine de Pizan, 11.10.2024, faz.net ² “Bettine senses that the structures of the aesthetics known to her must, in some way, however mediated, be connected with the hierarchical structure of society… it is an irresolvable contradiction that literature depends on the orders which, in order to become literature, it must constantly transgress.” Christa Wolf in “Nunja! Das nächste Leben geht aber heute an – ein Brief über die Bettine”, Insel Verlag, Leipzig, 1983
Mit Trutz Simplex präsentiert die Bildhauerin und Autorin Anna Herms ihre erste Einzelausstellung im Paint Shop. Ausgangspunkt ist das Buch Le Livre de la Cité des Dames (1405) der französischen Schriftstellerin Christine de Pizan, das sie als Antwort auf das Buch „Lamentationes Matheoli“ des Geistlichen Matthaeus von Boulogne schrieb, in welchem dieser, wie viele seiner gelehrten Zeitgenossen, misogyne Ansichten verbreitete. De Pizan entwirft darin eine symbolische Stadt der Frauen – ihr Baumaterial sind keine Steine, sondern Geschichten und Mythen von Frauen aus der biblischen, der antiken und der jüngeren Geschichte. Dabei setzt sie zum Teil die Maske der Naiven auf und gibt männliche Argumente gegen die Frauen mit gespielter Ernsthaftigkeit wieder, um sie in der nächsten Szene aus der Rolle der selbstbewussten Autorin heraus zu widerlegen. De Pizan, Schriftstellerin und Philosophin, 1364 in Venedig geboren und am französischen Königshof aufgewachsen, gilt als die erste Autorin, die vom Schreiben leben konnte, und als meistgelesene Autorin des europäischen Mittelalters. Trotzdem wurde ihr Text erst in den 1980ern ins Deutsche übersetzt und verlegt. Sie gilt in Deutschland immer noch als Geheimtipp für „Feminismus-Historikerinnen“.¹ In keramischen Plastiken und einer Videoarbeit begegnen sich Autorinnen aus sieben Jahrhunderten – von de Pizan über Karoline von Günderrode, Virginia Woolf, Irmtraud Morgner, Elfriede Jelinek bis Virginie Despentes und viele andere.² Herms’ Arbeiten in der Ausstellung verstehen sich als Fundstücke einer literarischen Grabung, in der teilweise verschüttete Positionen sichtbar und erfahrbar werden. In diesem Zusammenspiel verdichten sich Themen von kulturellem Erbe, Raub und Aneignung – und die Erkenntnis, dass es nach wie vor eine gemeinsame Aufgabe bleibt, die Geschichte(n) von Frauen sichtbar zu halten. Den Mittelpunkt bildet eine Plastik, die an die Göttin Bastet aus der ägyptischen Mythologie erinnert, Göttin der Fruchtbarkeit, der Freude, Musik und des Tanzes. Der Titel Trutz Simplex verweist auf Grimmelshausens Figur Courasche, einen Gegenentwurf zum Simplicissimus desselben Autors und eine weibliche Perspektive auf die Wirren des Dreißigjährigen Krieges. Herms greift sie als Symbolfigur weiblicher Selbstermächtigung auf – schreibend, sprechend, überlebend. Mit dem Bau ihrer persönlichen Stadt der Frauen erweitert Herms die fortwährende Geschichte der Auflösung patriarchaler Strukturen um ein eigenes, fast fröhliches Kapitel – ein Raum, in dem Vergangenheit und Gegenwart schreibender Frauen aufeinandertreffen. ¹ Katharina Teutsch, Rezension einer neuen Werkausgabe auf Deutsch zu entdecken: Christine de Pizan, 11.10.2024, faz.net ² „Die Bettine wittert, dass die Strukturen der ihr bekannten Ästhetik in irgendeinem, wie immer vermittelten Sinn zusammenhängen müssen mit der hierarchischen Struktur der Gesellschaft … es ist ein unlösbarer Widerspruch, dass Literatur von den Ordnungen abhängt, die sie doch, um Literatur zu werden, dauernd überschreiten muss.“ Christa Wolf in „Nunja! Das nächste Leben geht aber heute an – ein Brief über die Bettine“, Insel Verlag, Leipzig, 1983
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