“There’s nothing new under the sun, but there are new suns.” (Octavia E. Butler, unpublished epigram for The Parable of the Trickster)
We have become witness to a world that seems to be perpetually ending. In her solo exhibition Nothing New Under the Sun, Mariona Berenguer invites us to dwell inside the cyclical momentum of existence—a moment thick with exhaustion, where endings accumulate not as singular events but as steady erosions. From the quiet collapse of routines to the slow violence of ecological decay, the works on display chart the contours of a world on edge; and yet, they refuse to surrender to fatalism. Instead, they propose a subtle recalibration—towards flickering forms of endurance that persist when everything else seems to fall away.
The exhibition ticks to the rhythm of Clockwise (Head, 2025), a sculptural installation of four sunflowers cast in wax. Their spiky heads seem frozen in motion, arrested in mid-bloom or mid-decline. Wax, with its potential for both preservation and combustion, becomes here a material of ambiguous temporality. A recurring symbol in Berenguer’s practice, the sunflowers allude to bodies under strain, caught in a relentless cycle that no longer holds the promise of renewal. By the entrance, a fifth wax sunflower lies toppled, its head pressed against the shop window, melting steadily under the eyes of passers-by. Whether felled by fatigue or force, it holds its ground.
Berenguer’s sculptural and graphic works trace the shapes of repetition—not as stasis, but as pulse. Her exhibition is animated by the interplay of ends and endlessness in which human life unfolds. At issue, here, is not whether and when things come to an end, but how we move within and beyond these endings. Beneath this question lies an undercurrent of persistence; after all, energy is never lost, only transformed.
The three drawings 5 Billion Years (2025) are named after the projected lifespan of our sun—a celestial end that is at once too distant to comprehend and too vast to ignore. In these works, a black void ruptures a wax-yellow surface, from which lines burst outward. Like solar flares, they oscillate between flame and fire, origin and aftermath.
The sense of imminent catastrophe is underscored by the sculpture Frohes neues Jahr (2025). A burnt waste container, salvaged from the streets of Neukölln, has been spray-painted black. Affixed to the wall like a monumental fossil, it testifies to a destructive outburst—but also, perhaps, to a cathartic release. An object designed to contain and (re)cycle excess has been consumed by it. And yet, in its charred surface and monochrome severity, it is reinvigorated as an artwork.
Elsewhere, in the series Insomnia (2023), it is also residues that take shape. Each of the six gouache drawings depicts the projected shadows of sunflowers in various states of decay. Once attuned to the sun’s daily rhythm, the plants now appear detached, their shadows unmoored from a source of light and of life. Painted meticulously by hand, the works echo the visual language of digital printing, but their outlines became blurred by smudges of sponge, suggesting smoke or breath. Produced during long nights of anxious solitude, their title evokes not just a disruption of sleep but a deeper existential restlessness.
This gesture of attending to shadow, of tuning into the presence within absence, is a key concern in Berenguer’s artistic practice.
In this exhibition, the sun is no longer a reliable constant, but an unstable metaphor for other endings. Against the backdrop of exhausted systems and tired narratives, it is precisely in the impasse—in the sleepless nights, scorched materials, and broken cycles—that we begin to imagine not what comes after the end, but another kind of ongoingness.
Even though there might be nothing new under the sun, to evoke Octavia E. Butler, there may be new suns.
Text by Lisa Deml
„There’s nothing new under the sun, but there are new suns.“ (Es gibt nichts Neues unter der Sonne, aber es gibt neue Sonnen. Octavia E. Butler, unveröffentlichtes Epigramm für The Parable of the Trickster)
Wir erleben eine Welt, die unaufhörlich zu enden scheint. In ihrer Einzelausstellung Nothing New Under the Sun lädt Mariona Berenguer dazu ein, im zyklischen Schwung des Daseins zu verweilen – in einem Moment voller Erschöpfung, in dem sich Enden nicht als einzelne Ereignisse, sondern als stetige Erosion anhäufen. Vom leisen Zusammenbrechen der Routinen bis zur langsamen Gewalt des ökologischen Verfalls zeichnen die gezeigten Arbeiten die Konturen einer Welt am Abgrund nach; und doch verweigern sie sich dem Fatalismus. Stattdessen schlagen sie eine feine Neujustierung vor – hin zu flackernden Formen des Durchhaltens, die fortbestehen, wenn alles andere wegzubrechen scheint.
Die Ausstellung tickt im Rhythmus von Clockwise (Head, 2025), einer skulpturalen Installation aus vier in Wachs gegossenen Sonnenblumen. Ihre stacheligen Köpfe scheinen mitten in der Bewegung erstarrt, angehalten in voller Blüte oder im Welken. Wachs, das sowohl bewahren als auch verbrennen kann, wird hier zu einem Material von uneindeutiger Zeitlichkeit. Die Sonnenblumen, ein wiederkehrendes Symbol in Berenguers Praxis, verweisen auf Körper unter Belastung, gefangen in einem unerbittlichen Kreislauf, der kein Versprechen von Erneuerung mehr birgt. Am Eingang liegt eine fünfte Sonnenblume aus Wachs umgestürzt, den Kopf gegen das Schaufenster gedrückt, und schmilzt langsam unter den Blicken der Vorübergehenden. Ob von Erschöpfung oder Gewalt gefällt – sie behauptet ihren Platz.
Berenguers skulpturale und grafische Arbeiten folgen den Formen der Wiederholung – nicht als Stillstand, sondern als Puls. Ihre Ausstellung lebt vom Wechselspiel von Enden und Endlosigkeit, in dem sich menschliches Leben entfaltet. Es geht hier nicht darum, ob und wann Dinge zu Ende gehen, sondern wie wir uns in diesen Enden und über sie hinaus bewegen. Unter dieser Frage liegt eine Unterströmung der Beharrlichkeit; schließlich geht Energie nie verloren, sie wird nur umgewandelt.
Die drei Zeichnungen 5 Billion Years (2025) sind nach der prognostizierten Lebensdauer unserer Sonne benannt – ein kosmisches Ende, das zugleich zu fern ist, um es zu begreifen, und zu gewaltig, um es zu ignorieren. In diesen Arbeiten reißt eine schwarze Leere eine wachsgelbe Oberfläche auf, aus der Linien nach außen schießen. Wie Sonneneruptionen schwanken sie zwischen Flamme und Feuer, Ursprung und Nachwirkung.
Das Gefühl einer drohenden Katastrophe unterstreicht die Skulptur Frohes neues Jahr (2025). Ein ausgebrannter Müllcontainer, geborgen von den Straßen Neuköllns, wurde schwarz besprüht. Wie ein monumentales Fossil an der Wand befestigt, zeugt er von einem zerstörerischen Ausbruch – vielleicht aber auch von einer kathartischen Entladung. Ein Objekt, das dazu gedacht ist, Überschuss aufzunehmen und (wieder) in den Kreislauf zu bringen, wurde von ihm verzehrt. Und doch wird es in seiner verkohlten Oberfläche und monochromen Strenge als Kunstwerk neu belebt.
An anderer Stelle, in der Serie Insomnia (2023), nehmen ebenfalls Rückstände Gestalt an. Jede der sechs Gouache-Zeichnungen zeigt die projizierten Schatten von Sonnenblumen in verschiedenen Stadien des Verfalls. Einst auf den täglichen Rhythmus der Sonne eingestimmt, erscheinen die Pflanzen nun losgelöst, ihre Schatten von einer Quelle des Lichts und des Lebens getrennt. Sorgfältig von Hand gemalt, greifen die Arbeiten die Bildsprache des Digitaldrucks auf, doch ihre Umrisse sind durch Schwammspuren verwischt, die an Rauch oder Atem denken lassen. In langen Nächten ängstlicher Einsamkeit entstanden, verweist ihr Titel nicht nur auf gestörten Schlaf, sondern auf eine tiefere existenzielle Ruhelosigkeit.
Diese Geste, sich dem Schatten zuzuwenden, sich auf die Präsenz im Abwesenden einzustimmen, ist ein zentrales Anliegen in Berenguers künstlerischer Praxis.
In dieser Ausstellung ist die Sonne keine verlässliche Konstante mehr, sondern eine instabile Metapher für andere Enden. Vor dem Hintergrund erschöpfter Systeme und müder Erzählungen beginnen wir gerade in der Sackgasse – in den schlaflosen Nächten, den versengten Materialien und den gebrochenen Kreisläufen – uns nicht auszumalen, was nach dem Ende kommt, sondern eine andere Art des Weitergehens.
Auch wenn es, um Octavia E. Butler aufzugreifen, nichts Neues unter der Sonne geben mag, so gibt es vielleicht neue Sonnen.
Text von Lisa Deml