The Paint Shop is pleased to present Lasse Müller’s first solo exhibition, featuring a new series of works. The works on display are primarily three-dimensional objects in which digital and analog techniques overlap, feed back into one another, and are mutually dependent. The title refers both to the intricately folded photographs and to the mathematical term for a spatial geometry derived from surface states. His works are "photo-structures"—scenes and objects constructed largely from photographs that replicate fragments of our surroundings based on their momentary appearance. Digital processing plays a crucial role in this elaborate realization. The isolated objects and areas are comprehensively captured using hundreds of photographs and processed into digital 3D models (photogrammetry). The geometric forms are simplified (re-typologized), subjected to renewed texture projection, and finally transformed—through digital printing and the assembly of prints—into near-scale, multi-perspective works.
The resulting photo-structures "freeze" the moment of capture and the specific incidence of light, making them tangible as a seemingly hyper-realistic image of a fleeting reality, while simultaneously acting as a translation into a new medium that refers back to itself and to our perception of that reality. The works in the exhibition clearly explore this relationship. Shadows cast by surrounding trees fall upon the depicted trees—traces of an unseen environment acting upon the scene at hand. The season, the time of day, or specific details—such as a red tree-marking—serve as signatures in the quest to capture the primary phenomenon being presented. The chosen locations may be private—seemingly banal in their ordinariness, like a slightly ajar bathroom door illuminated by a shaft of light. A sense of familiarity arises—ideally, a memory felt as an emotion. Yet, upon closer inspection, one might discern specific details—such as fine hairs clinging to the tiles after a shower—imprinted upon the photographic surface. Conversely, there are public spaces and objects—such as a pair of birch trees or a street bollard—that, through the artist’s non-judgmental, egalitarian observation of the urban landscape, acquire the character of objects that are simultaneously universal and unique. They are interchangeable yet singular in appearance—an insight Lasse Müller articulates in works that might be described as "trivial sculptures." A tree constructed from wood and printed paper becomes, in a sense, a monument to itself; the act of meticulous reconstruction can be understood as a form of painting in space. Müller’s understanding of spatial objects and textures stems, in part, from his youthful experiences with computer games. He employs a precise, dissecting gaze that breaks down locations into their non-hierarchical components—akin to the polygons or basic geometric building blocks calculated by a graphics engine. Their reassembly into "shells"—which, despite appearing inanimate and almost like stage sets, constitute an appreciation of the moment and a reference to the "thing itself" in the sense of Edmund Husserl’s phenomenology. Our empirical view of things is thus limited, because meaningfulness is something we only attribute to objects. The object of our contemplation is therefore altered by the act of consciousness directed toward it. Even an illusion can ultimately be understood as a perception that turns out to be an illusion—much like a work that only acquires its own distinct identity after being exposed as a copy.
Der Paint Shop freut sich die erste Einzelausstellung von Lasse Müller mit einer neuen Werkreihe präsentieren zu können.
Müllers gezeigte Arbeiten sind zumeist dreidimensionale Objekte in denen sich digitale und analoge Techniken überlagern, rückkoppeln und gegenseitig bedingen. Der Titel verweist dabei auf die vielfach gefalteten Fotografien sowie auf die mathematische Bezeichnung einer aus Flächen zustande kommenden räumlichen Geometrie. Seine Arbeiten sind “Foto-Gebilde” - Szenen und Objekte, die, vor allem aus Fotografien gebaut, Ausschnitte unserer Umgebung mit Blick auf ihre momenthafte Erscheinung nachbilden. Dabei spielt die digitale Verarbeitung für die aufwändige Umsetzung eine wesentliche Rolle. Die isolierten dargestellten Objekte und Bereiche werden mit hunderten Fotografien allumfassend aufgenommen und zu digitalen 3D Modellen weiter verarbeitet (Photogrammetrie). Die geometrischen Formen werden anschließen vereinfacht (Re-Typologisierung), erneuter Textur Projektion unterzogen und schließlich durch Digitaldruck und Zusammensetzung der Drucke zu zu Maßstab-nahen, multiperspektivischen Arbeiten.
Die dabei entstehenden Fotogebilde welche den Moment der Aufnahme und des spezifischen Lichteinfall “einfrieren” und erfahrbar machen als vermeintlich hyperrealistisches Abbild einer flüchtigen Wirklichkeit und gleichzeitig als Überführung in ein neues Medium was auf sich selbst und auf unsere Wahrnehmung dessen, zurück verweist
In den gezeigten Werken der Ausstellung wird deutlich das dieses Verhältnis untersucht wird. Es finden sich auf den Bäumen Schatten anderer Bäume der Umgebung, Spuren der nicht sichtbaren Umgebung welche auf die gezeigte „Szene“ wirken. Die Jahreszeit, Tageszeit oder andere individuelle Aspekte wie eine rote Baummarkierung sind Signaturen der Suche nach dem Phänomen das vorrangig gezeigt wird.
Die gewählten Orte können dabei sowohl private sein, in ihrer scheinbaren Gewöhnlichkeit banal wirkend, wie etwa die leicht geöffnete Badezimmertür in die ein Lichtstrahl fällt. Es stellt sich eine Vertrautheit ein, im besten Fall Erinnerung als ein Gefühl. Bei genauerer Betrachtung mag man jedoch das Spezifische in ihnen erkennen wie feine Haare die nach dem Duschen auf den Kacheln haften, eingeschrieben die fotografische Oberfläche.
Auf der anderen Seite sind es öffentliche Räume und Objekte, wie die zwei Birken oder ein Straßenpoller welche bei ihm durch eine gleichberechtige, nicht wertende Betrachtung des Stadtraumes ihre Charakteristik als universelle und doch besondere Gegenstände erlangen können. Sie sind austauschbar und doch einzigartig in ihrem Erscheinungsbild, eine Erkenntnis die Lasse Müller herausarbeitet in seinen Werken, die man als “Trivialplastiken” beschreiben könnte. Ein Baum, konstruiert aus Holz und bedrucktem Papier wird gewissermaßen zum Denkmal seiner selbst und den Akt des akribischen Nachbauens, könnte man als Malerei im Raum verstehen.
Müllers Verständnis für Objekte im Raum und Texturen rührt nicht zuletzt aus seinen Erfahrungen mit Computerspielen in seiner Jugend her. Es ist ein genauer, sezierender Blick, der Orte in ihre hierarchielosen Bestandteile zerlegt, gleich den Polygonen oder geometrischen Grundbausteinen die eine Grafik-Engine berechnet und deren erneutes Zusammensetzen zu “Hüllen” die, obgleich sie unbelebt und fast kulissenhaft wirken, eine Würdigung des Moments und Verweis auf die „Sache selbst“ im Sinne der Phänomenologie nach Edmund Husserl sind. Unsere empirische Anschaung der Dinge ist danach begrenzt, weil Sinnhaftigkeit etwas ist, das wir den Sachen erst beilegen. Der Gegenstand unserer Betrachtung verändert sich also durch unseren Bewusstseinsakt der sich darauf bezieht.
Selbst eine Täuschung kann in letzter Konsequenz als Wahrnehmung verstanden werden die sich als Täuschung heraustellt, so wie eine Arbeit erst nach ihrer Entlarvung als Kopie ihre Eigenständigkeit findet.