Mit „Guirlandes, Feston“ zeigt die Galerie Paint Shop erstmals eine Ausstellung von Inga Kerber. Die Künstlerin verbindet darin Stoffe, Blätter und Figuren zu einer atmosphärischen Rauminstallation. Kerber arbeitet mit gefundenen, teils historischen Stoffen, die sie färbt, vernäht und bemalt – Materialien, die bereits Spuren tragen und in der Installation weitergeschrieben werden. Die genähten Arbeiten („Tissus“) greifen ornamentale, vegetabile und landschaftliche Motive auf: Blätter, Blüten, Bögen, Sonnen und Monde bilden ein textiles Gelände. Das Motiv des Festons, der geschwungenen Blättergirlande, erscheint immer wieder – genäht, gemalt oder als tatsächliche Girlande aus getrockneten Pflanzen. Buchenblätter, Kirschlorbeer und Dahlien, eigens gesammelt, getrocknet und aufgefädelt, spannen Bögen durch den Raum. Sie hängen als luftige Vorhänge, ziehen Linien, markieren Wege und verbinden die Stoffe mit ihrer Umgebung; eine zarte, zugleich robuste Struktur, die sich fortsetzt, sobald der Blick ihr folgt. Zwischen diesen Stofflandschaften treten die „Demoiselles“ auf – mehrfigurige Zeichnungen, Frauen in verschiedenen Gestalten und Haltungen, mal gemeinsam, mal für einen Moment vereinzelt, aber immer in Beziehung zueinander und zu ihrer Umgebung. 2022 schrieb Fid. Fischer zu einem ersten Teil der Demoiselles-Serie: „Demoiselle, eine Frau oder viele, die alt, jung, enthaltsam, verheiratet, damenhaft in den Pflanzen ist, liegt, steht, tanzt, turnt, springt, sich häutet wie ein Pangolin … Und die Pflanzen, die Ideen von Pflanzen, sprießen in ihrer unmittelbaren Nähe … betten sie, wachsen unbekümmert ihres menschlichen Tuns am Rand, mit gesunden Blättern, Stängeln … Eine Party in Ecstasy und Zen, eine Natur-Performance, eine Demoiselle dans les Plantes.“ In den neuen Arbeiten spielen die Szenen nicht mehr ausschließlich im Grünen, sondern greifen auch auf Innenräume und urbane Fragmente über. Dort bilden sie weiterhin eine Art menschliche Girlande: eine Abfolge von Bewegungen, Körpern, Temperamenten. Die Demoiselles bewegen sich durch Kerbers installatives Geflecht, begleitet von Blättern und Stoffen, eingebettet in ein System aus Wachsen, Überlagern, Halten und Loslassen. Die Installation wirkt wie ein lebender Zusammenhang – ein Gefüge aus Stoff, Licht, Pflanzen und Figuren, das sich im Raum ausbreitet und keine festen Grenzen kennt.